Mathieu Carrière

ist in Hannover geboren und in Berlin und Lübeck aufgewachsen. In Lübeck wurde er als 13-jähriger Gymnasialschüler von Regisseur Rolf Thiele entdeckt und verkörperte in dessen Thomas Mann-Adaptation Tonio Kröger den Titelhelden in jungen Jahren. Durch diese Rolle wurde Volker Schlöndorff auf ihn aufmerksam und besetzte ihn im Jahr darauf in der Hauptrolle seines Regiedebüts Der junge Törless, einer Robert-Musil-Adaption. Nach einer weiteren Rolle in Andrzej Wajdas Kinderkreuzzug-Drama The Gates to Paradise (Die Pforten des Paradieses) wechselte Carrière auf ein Jesuiteninternat im bretonischen Vannes und zog nach dem Abitur 1968 nach Paris.

In Frankreich avancierte er zum vielbeschäftigten Filmstar – beispielsweise in Malpertuis an der Seite von Orson Welles, in Roger Vadims Don Juan 73 und La jeune fille assassinée (Ein wildes Leben) – 1976 drehte er mit Volker Schlöndorff Der Fangschuss.

Mit Auftritten im Alcazar de Paris startete Carrière 1974 seine Theaterkarriere: 1975 spielte er am Théâtre National de Paris die Titelrolle in Portrait de Dorian Gray (Das Bildnis des Dorian Gray), 1981 bei den Salzburger Festspielen den St. Just in Dantons Tod.

Nebenher studierte Carrière Philosophie an der Universität Vincennes in Paris und schloss das Studium 1978 erfolgreich ab. Danach sah man ihn in Filmen wie Egon Schiele – Exzesse, Die flambierte Frau, Die Spaziergängerin von Sans-Souci, dem romantischen Thriller Wie ein Licht in dunkler Nacht oder Malina mit Isabelle Huppert.

Ab Ende der 1970er Jahre wendete sich Carrière auch dem Fernsehen zu: Nach Fernsehspielen und -serien wie Der Kommissar, Derrick und Der Alte spielte er 1978 seine erste große TV-Mehrteiler-Hauptrolle in der 13-teiligen Fallada-Verfilmung Ein Mann will nach oben – insgesamt hat er bislang in weit über 100 TV-Produktionen mitgewirkt, darunter in Bernd Eichingers Das Mädchen Rosemarie, der TV-Serie Schloss Hohenstein. Irrwege des Glücks und in Das geheime Leben der Spielerfrauen.

Er spielte in US-amerikanischen Filmen mit, in Frankreich und Italien, bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg sowie in der Hamburger Fabrik. Darüber hinaus gibt Mathieu Carrière Lesungen, schreibt Essays, Bühnenstücke und Drehbücher und führt Regie.

 

 

Foto: Wolfgang Kleber